Erklär mal, was Du da so minimal programmiert hast:

Das diesjährige Thema des „JS1K“-Wettbewerbs (http://js1k.com) lautete „Hype Train“, was viele Teilnehmer, wie auch ich, zum Anlass nahmen, das Thema „Zug“ aufzugreifen. Es gibt zwar keine Einschränkungen darüber, was man inhaltlich einreicht, jedoch sehe ich diese Art der Programmierübung stets als Ventil für meine künstlerische Ader. Mein Plan war es diesmal, eine Fahrt durch eine stimmungsvolle dreidimensionale Landschaft auf Schienen darzustellen und mit einem interessanten Soundtrack zu hinterlegen. Zusätzlich wollte ich die animierte Darstellung mit akustischen und visuellen Effekten auflockern. Während des Programmierens musste ich immer die benötigte Rechenleistung, die visuelle und akustische Ästhetik und die Programmgröße in Balance halten.

Übrigens, da ich nicht genügend Platz für die Darstellung von ‚richtigen‘ Schienen fand, musste die Fahrt letztendlich auf nur einer Schiene stattfinden, sodass das Endergebnis eine „Monorail“-Fahrt wurde. Aus dem gleichen Grund musste ich auch auf Farbe verzichten, was wiederum der nebligen Landschaft einen schönen mysteriösen Anstrich gab. So entstand auch der Name für dieses nur 1kB große Programm.

Wie kommt man als ausgereifter Entwickler dazu, auf einem solch niedrigen Level zu programmieren?

Es ist der Reiz am kompletten Durchdringen eines Themas. Damit ich einen Algorithmus minifizieren kann, muss ich ihn zunächst vollständig verstanden haben. Ich muss verstehen, was die wesentlichen Teile sind und den Rest entfernen, sodass nur die Essenz übrigbleibt. Auf diese Weise lerne ich viel darüber, wie Darstellungsalgorithmen im 3D-Bereich oder wie Software-Synthesizer im Inneren funktionieren. Wo andere Leute Sudokus lösen, ist eben das minifizieren von Programmen eine angenehme Gehirnübung für mich.

Heraus entstehen Sounds und Bilder, die eine ganz eigene Ästhetik haben, aber auch irgendwie nostalgisch wirken. Beziehst Du Dich auch auf Altes?

Der Pixel-Look und die Bytebeat-Musik in meinen Demoprogrammen sind mit voller Absicht eine Hommage an ein vergangenes Digitalzeitalter. Ich liebe die raue Ästhetik alter C64 und Amiga Software. Und damit bin ich nicht allein. Pixelige Grafik hat sich als Designelement im Mainstream etabliert und auch der Sound des alten SID-Musik-Chips aus dem C64 wird heute noch gern gehört, sogar im Radio.

Welche Rolle spielt der Zufall bei Deinen Minimal-Kreationen?

Eine sehr große! Meine Programme basieren auf dem Erzeugen von großer Komplexität aus einer kleinen Menge von Regeln. Die entstehende Komplexität, besonders bei der Bytebeat-Musik, ist dabei so groß, dass es mir gar nicht möglich ist, vorauszusagen, wie sich eine Regeländerung am Ende auswirken wird. Das spielerische Ändern von Parametern in meinen Algorithmen erzeugt somit für mich (zumindest gefühlt) zufällige und überraschende Ergebnisse, was den Reiz dieser Art zu Arbeiten für mich ausmacht.

Zusätzlich, zu dem von mir selbst eingebrachten Quasi-Zufall, benutze ich natürlich auch Zufallszahlengeneratoren um bestimmte visuelle und akustische Effekte zu erzeugen.

Zum Abschluss: Siehst Du Dich eher als Künstler oder als Techniker, der sich auf sein Handwerk beruft?

Das kommt drauf an, an welches meiner Ichs die Frage gerichtet ist. Ich bin beides. Mein berufliches Ich ist selbstverständlich ein Techniker. Mein Freizeit-Ich, das Demos programmiert, sieht diese Tätigkeit als eine Möglichkeit des künstlerischen Ausdrucks.

www.homecoded.com

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